Geschäftsmodelle für mobile Apps (Teil 3 von 4)

Teil 3: Welches Modell ist das richtige?

Überblick

  • Teil 1: Der Markt und das Modell „Freemium“
  • Teil 2: „In-App-Purchasing“ und das „Affiliate-Modell“
  • Teil 3: Welches Modell ist das richtige? Welche finden am häufigsten Verwendung?
  • Teil 4: Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen

 

Nachdem Sie im ersten Beitrag der Serie lesen konnten, was das Freemium-Modell im Hinblick auf Umsatzgenerierung auf dem Markt der mobilen Anwendungen ausmacht, schrieben wir vergangenes Mal über die beiden Modelle In-App-Purchasing und Affiliate-Marketing und deren Eigenschaften.

Das richtige Modell

Besonders das Affiliate-Marketing-Modell unterscheidet sich grundlegend vom Freemium- und dem In-App-Purchasing-Modell. Um die Vorteile verschiedener Modelle zu verknüpfen, greifen Anbieter von mobilen Apps häufig auf einen durchdachten Mix zurück.

Doch muss auch hierbei stets berücksichtigt werden, welches Modell dabei wie stark ausgeprägt verwendet werden kann, um den Erfolg zu unterstützen und keinen negativen Effekt auf den Gesamtmix zu haben.

Es gibt kein perfektes Rezept für einen solchen Mix, doch kann man anhand einiger Kriterien feststellen, ob sich das jeweilige Modell für die eigene App eignet.

Freemium

Um seine Strategie nach dem Freemium-Modell auszurichten, muss sich der Anbieter fragen, ob die Differenzierung zwischen kostenloser Basis- und kostenpflichtiger Premiumversion ausreichend groß ist und ein Attraktivitätspotential der kostenpflichtigen Anwendung besteht.

Besonders im Falle einer hohen Unsicherheit des Kunden gegenüber dem Nutzen oder der Performance der App ist eine solche Differenzierung sinnvoll, um den Nutzer durch gute Leistung des Basisprogramms zum Erwerb der Premiumversion anzuregen.

Freemium und Affiliate

Lässt sich eine Differenzierung des Leistungsumfangs nur schwer umsetzen, ohne schwerwiegende Leistungseinbußen der mobilen Anwendung hinzunehmen, kann eine Verknüpfung des Freemium- und des Affiliate-Marketing-Modells in Betracht gezogen werden.

Die kostenlose Basisversion setzt dann auf schnelle Verbreitung durch Netzeffekte und erzeugt zusätzlich durch Werbepartnerschaften Umsätze. Basis- und Premiumversion besitzen dann zwar den gleichen Leistungsumfang, die Attraktivität letzterer wird aber durch Entfallen der Werbeeinblendungen geschaffen.

Diese Verknüpfung von Affiliate- und Freemium-Modell ist auch möglich, wenn der Funktionsunterschied zwischen Basis- und kostenpflichtiger Version ausreichend groß ist, jedoch sollte in der Regel auch dann in der Premiumversion auf Werbeeinblendungen verzichtet werden, um den Anwender in seiner Entscheidung für die kostenpflichtige Nutzung zu bestätigen.

Kombination mit In-App-Purchasing

Das In-App-Purchasing-Modell kann mit allen anderen Modellen kombiniert werden. Voraussetzung ist, dass ein hinreichendes Interesse der Kunden besteht, die voll leistungsfähige Anwendung noch zu erweitern oder zu individualisieren.

Diese Eigenschaft wird häufig durch künstliche Anreize unterstützt. Insbesondere durch die Vernetzung der Nutzer untereinander und die dadurch entstehende Vergleichbarkeit werden Nutzer motiviert In-App Käufe durchzuführen.

Aber Vorsicht: Durch die gleichzeitige Kombination von Freemium-, In-App-Purchasing- und Affiliate-Modell kann es schnell zu einer Überladung durch ein mit Werbung verbundenes Überangebot an kostenpflichtigen Erweiterungen kommen, die sich negativ auf die Zufriedenheit der Nutzer auswirken kann. Daher sollte mindestens eines der Modelle möglichst reduziert werden.

Generell sollte man stets beachten, dass bei einer Verbindung von In-App-Purchasing und Freemium die In-App-Purchase-Komponente ebenfalls so gering gehalten wird, wie nötig ist, um nicht den durch das Freemium-Modell erzielten Verbreitungseffekt zu gefährden. Zudem ist es fragwürdig, ob beispielsweise in der Premiumversion eine Möglichkeit von In-App-Käufen angebracht wäre.

Anteil Free Apps

Der Trend

Die meisten Apps werden aktuell kostenlos angeboten (siehe Grafik oben). Einfache kostenpflichtige Apps nehmen nur etwa 10% am Gesamtangebot ein, generieren dafür aber 17% aller Umsätze. In-App-Käufe sind insgesamt am stärksten vertreten: 54% der Umsätze mit mobilen Apps wird ihnen zugeschrieben, während das Affiliate-Marketing nahezu  29% der insgesamt über $ 21 Mrd. weltweit umsetzt.

Umsatzverteilung

Aufgrund der Intransparenz des Marktes und der schlechten Messbarkeit der Ergebnisse lassen sich diese Aussagen nur pauschal treffen, erlauben jedoch keine Rückschlüsse auf Umsatzverteilung von miteinander verknüpften Modellen. Insbesondere Umsätze durch das Freemium-Modell lassen sich nur schwer ermitteln.

Doch lassen sich verschiedene Informationen aus der Analyse der umsatzstärksten Apps beispielsweise des App Stores von Apple ziehen. Unter den 250 stärksten Anwendungen sind hier 223 Apps, die das In-App-Purchasing- entweder mit dem Freemium-Modell oder mit einfachen Bezahl-Apps verfolgen. Die verbleibenden 27 Anwendungen generieren den Umsatz lediglich durch den Verkauf.

Da der App Store keine Informationen über den Umsatzanteil von Affiliate-Programmen am jeweiligen Gesamtumsatz einer App geben kann, lässt sich nur durch Beobachtung feststellen, dass ein Großteil der umsatzstärksten Anwendungen zusätzliche Umsätze durch eine Verknüpfung mit dem Affiliate-Marketing-Modell zu generieren scheinen.

So geht es weiter

Freemium, In-App-Purchasing und Affiliate – drei erfolgsversprechende Modelle. Was ist aber im Gesundheitswesen, wo die Nachfrage nach mobilen Anwendungen rapide steigt? Lassen sich die beschriebenen Modelle problemlos auf diesen Bereich übertragen?

Mehr dazu in der Fortsetzung.

 

Denn das bringt der nächste Beitrag:

Teil 4: Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen

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