Lebensstilwandel bei chronischen und Langzeiterkrankungen ermöglichen

Fast alle Gesundheitssysteme der westlichen Welt stehen vor den Herausforderungen ältere und chronisch kranke Menschen zu behandeln, Patienten in strukturschwachen ländlichen Gebieten zu versorgen und teure medizinische Innovationen zu bezahlen. Gerade bei Erkrankungen wie Bluthochdruck, Stress, Depressionen, Diabetes und Übergewicht kann die Behandlung der Patienten teuer werden. Die Ursache für die meisten chronischen und Langzeiterkrankungen ist häufig nicht genetisch zu erklären, sondern vielmehr durch einen ungesunden Lebensstil bedingt. Deshalb ist für Patienten mit solchen Erkrankungen neben der klassischen Behandlung eine Änderung des Verhaltens notwendig. Die Herausforderung besteht hierbei in der kontinuierlichen und bedarfsgerechten Unterstützung. Die Möglichkeiten der Regelversorgung im Gesundheitssystem erfüllen die Bedürfnisse einer solchen Versorgung bisher nicht.

Benötigt wird eine Hilfestellung „just in time“

Bereits heute nutzen immer mehr Patienten zahlreiche neue Wege, um sich über medizinische Themen zu informieren und ihre eigene Versorgung nach Hause zu holen oder diese von unterwegs über Smartphones und Tablets zu organisieren. Genau an dieser Entwicklung anknüpfend kann den Herausforderungen mit Anwendungen der Telematik und der Telemedizin entgegen getreten werden. Telemedizinsiche Angebote ermöglichen eine bessere und effizientere Versorgung  inbesondere in ländlichen Regionen und dem häuslichen Umfeld der Patienten.Lebensstielwandel_bei_chronischer_und_Langzeiterkrankungen

Chronischen Erkrankungen kann mit der Unterstützung von Technologien durch ein umfassendes Konzept zur Versorgung des Patienten entgegen getreten werden. Um einen Lebenswandel chronisch kranker Patienten zu erreichen wird eine Hilfestellung „just-in-time“ benötigt, die unabhängig von Ort und Zeit auf die jeweilige Situation und das individuelle Profil des Patienten angepasst ist. Wichtig um eine patientenzentrierte Versorgung zu erreichen, ist den Patienten in den Behandlungsprozess mit einzubinden. Die wichtigste Säule in einem solchen Prozess bildet dabei die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten sowie zwischen allen beteiligten Institutionen untereinander. Für das eigentliche Therapiemanagement spielen vor allem die regelmäßige und korrekte Einnahme der Medikation, die Kontrolle von Vitalparametern sowie die Umsetzung lebensstilverändernder Maßnahmen eine entscheidende Rolle.

Um eine gute Kommunikation und eine starke Compliance der Patienten zu erreichen sollten verschiedene Kommunikationskanäle wie die Vernetzung im Internet sowie E-Mail und Erinnerungen per SMS kombiniert werden. Über Online-Schulungen können Patienten gesundheitsfördernde Verhaltensweisen näher gebracht werden. Durch ständigen Kontakt erlernen die Patienten einen besseren Umgang mit ihrer Erkrankung genau dort wo es wichtig ist – in ihrem häuslichen Umfeld. Wie eine solche Versorgung aussehen könnte, zeigen wir Ihnen anhand folgender zwei Szenarien.

Szenario 1 – eHealth in der Diabetikerversorgung

Die letzte hausärztliche Vorsorgeuntersuchung von Herrn Müller hat ergeben, das er an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt ist. Bei einer dauerhaften Veränderung seines Lebensstil ist die Gabe von Medikamenten nicht erforderlich. Auf Rat seines Hausarztes trägt sich Herr Müller in ein Netzwerk zur Diabetikerversorgung ein. Hier ist er gemeinsam mit anderen Patienten in einer Selbstmanagement-Gruppe und lernt dort im Rahmen von E-Learning-Angeboten den Umgang mit seiner Erkrankung. Täglich erfasst Herr Müller Vitalparameter wie den Blutzuckerspiegel mit dem Smartphone. Beim nächsten Arztbesuch kann er diese direkt in seine elektronische Patientenakte überführen lassen. 

Bei einer späteren Kontrolluntersuchung stellt der Arzt von Herrn Müller fest, dass die Kurven der Verlaufsparameter bis auf eine mäßige Erhöhung des Cholesterinwertes in Ordnung sind. Die Sprechstundenhilfe vereinbart mit Herrn Müller direkt einen Termin bei einem Ernährungsberater.

Durch das Programm gelingt es Herrn Müller am Ball zu bleiben. Er fühlt sich in dem Netzwerk gut betreut und kann sich außerdem mit anderen Erkrankten austauschen.

Szenario 2 – Telemonitoring bei Herzinsuffizienz-Patienten

Frau Schneider leidet an einer Herzinsuffizienz und ist seit einiger Zeit in einem Versorgungsprogramm eingeschrieben. Im Rahmen des Herzinsuffizienzmanagements wurde sie in einer speziellen Schulung auf die Bedienung von telemedizinischen Geräten vorbereitet. In regelmäßigen Abständen übermittelt sie ihre Vitalparameter dem telemedizinischem Zentrum. Durch das regelmäßige übersenden der Daten werden ihre Werte genau überwacht, so dass im Notfall direkt eingegriffen werden kann. Innerhalb von online geführten Beratungsgesprächen wird Frau Schneider über die Auswirkungen ihrer Erkrankung, die Notwendigkeit der Medikamentengabe sowie individuell zugeschnittene Bewegungs- und Ernährungstherapien informiert. Über die Möglichkeit von zu Hause aus betreut zu werden freut sich Frau Schneider, denn so befindet sie sich in einer vertrauten Umgebung und kann aktiv an ihrem sozialen Umfeld teilnehmen.

Auch für die Leistungserbringer und -finanzierer hat das Versorgungsprogramm einige Vorteile. Das Telemonitoring ermöglicht es, kardiale Dekompensationen frühzeitig zu erkennen und somit rechtzeitig Therapiemaßnahmen einzuleiten. Doppeluntersuchungen werden durch den optimierten Informationsfluss vermieden. Die Zahl der Hospitalisierungen sinkt.

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