Sieben Handlungsfelder für Gesundheitsapps

Durch den Dschungel an Gesundheitsanwendungen, wie er auf dem mHealth-Markt besteht, ist es insbesondere für Patienten schwer durchzublicken. Doch auch für Ärzte und andere Leitungserbringer ist es schwierig qualifizierte Angebote herauszufiltern. Damit leichter zu verstehen ist, was sich hinter den digitalen Angeboten verbirgt und welche Relevanz sie für die Gesundheitsversorgung haben, hat die Bertelsmann Stiftung im Rahmen einer Studie ein umfassendes Klassifikationssystem mit abgeleiteter Typologie entwickelt.

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Typ 1: Stärkung der Gesundsheitskompetenz

Unter dem Aspekt „Stärkung der Gesundheitskompetenz“ werden Anwendungen zusammengefasst, die dem Bürger Wissen zu Gesundheits- und Krankheitsthemen vermitteln. Eine solche Form von Programmen zielt vor allem darauf ab den Patienten eine Orientierung zu bieten, ihn bei der Suche von Experten zu unterstützen oder die Voraussetzung für die Planung von Interventionen und das Fällen einer Entscheidung zu schaffen. 

Typ 2: Analyse und Erkenntnis

Punktuell erfassbaren gesundheits- und umweltbezogenen Informationen werden mit dem zweiten Typ der Anwendungen im persönlichen Kontext ausgewertet. Innerhalb solcher Programme erfasste Informationen können als Entscheidungsgrundlage in Form von Einschätzungen, Bewertungen und Diagnosen dienen.

Typ 3: Indirekte Intervention: Förderung der Selbstwirksamkeit, Adhärenz und Sicherheit

Der dritte Typ schließt alle Anwendungen ein, die eine Überwachung im Zeitverlauf ermöglichen, also kontinuierlich gesundheits- oder umweltbezogene Informationen erfassen. Eine Anwendung dieser Kategorie soll die Kontinuität in der Einhaltung eines gesundheitsförderlichen Verhaltens erhöhen und das vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit steigern. Durch automatisierte Warnhinweise bei Abweichungen sollen diese Programme Schutz bieten.

Typ 4: Direkte Intervention: Veränderung von Fähigkeiten, Verhalten und Zuständen

Unter dem vierten Anwendungstyp werden alle Programme gefasst, die in Form einer direkten Intervention auf die Veränderung von Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Gesundheitszuständen abzielen. Körperliche Fähigkeiten können beispielsweise durch eine technische Erweiterung unterstützt werden, während das Verhalten durch Anleiten oder Lehren, wie es z.B. in einem Online-Kurs stattfindet, verändert werden kann. Gesundheitszustände können z.B. durch audiovisuelle Stimulation verändert werden.

Typ 5: Dokumentation von Gesundheits- und Krankheitsgeschichte

Als weiterer Typ werden alle Anwendungen zusammen gefasst, die die Funktionen einer Gesundheits- oder Krankheitsakte bieten. Die Funktionen solcher Programme bestehen vor allem darin Befunde, Diagnosen, Therapien und Vitaldaten zu speichern, zu verwalten und miteinander in Beziehung zu setzen. 

Typ 6: Organisation und Verwaltung

Der sechste Anwendungstyp richtet sich an die Akteure der Leistungsversorgung. Durch diesen Typ werden alle Anwendungen abdeckt, die die Organisation und Verwaltung der Versorgung dienen. Funktionen können beispielsweise das Erstellen von Leistungserbringerterminen sein oder die Darstellung von Prozessen der Sozialverwaltung.

Typ 7: Einkauf und Versorgung

Anwendungen des siebten Typs sind in der Regel Online-Shops, mit denen die Versorgung einzelner Personen mit gesundheits- bzw. krankheitsbezogenen Produkten wie Hilfsmitteln, Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel durchgeführt wird.

Quelle: Knöppler, K., Neisecke, T., Nölke, L., Digital-Health-Anwendungen für Bürger, Klassifikation, Typologie und Relevanz aus Public-Health-Perspektive, Berstelsmann Stiftung 2016, S.66-68

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