SORMAS – Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in Nigeria

Mit Hilfe von SORMAS bekämpfen deutsche Wissenschaftler vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie nigerianische Forscher erstmals einen Affenpocken-Ausbruch in Nigeria.

 

Seit September 2017 sind in Nigeria die Affenpocken (Monkeypox) mit fast 200 Verdachtsfällen ausgebrochen. Mehr als  100 Menschen in 14 Bundesstaaten sind inzwischen an dem Virus erkrankt. „Derzeit ist noch gar nicht klar, ob wir es hier mit einem punktuellen Ausbruch zusammenhängender Erkrankungen oder mit einer diffusen allgemeinen Zunahme des Phänomens zu tun haben“, sagt Dr. Chikwe Ihekweazu, Leiter der Nigerianischen Seuchenschutzbehörde. Das HZI wurde gebeten mit Hilfe von SORMAS die aktuelle Lage vor Ort einzuschätzen und aufzuklären.

 

Der aktuelle Einsatz von SORMAS in Nigeria verläuft vielversprechend: SORMAS ist im Lagezentrum der Seuchenschutzbehörde und in den Laboren der betroffenen Bundestaaten installiert. Innerhalb weniger Tage verbesserte das System die Datenlage deutlich. SORMAS ermöglicht zum Beispiel die effiziente Erfassung von Krankheitsfällen und stellt automatisch die geographische Verteilung auf Karten dar. Dr. Chikwe Ihekweazu ist vom Mehrwert des Systems überzeugt und hofft, SORMAS bald flächendeckend und dauerhaft in Nigeria einsetzen zu können. Für eine bessere Datenlage wird SORMAS während der bevorstehenden Meningitis-Saison eingesetzt. Zugleich ist Ziel, dabei neun weitere Krankheiten zu erfassen, die in Nigeria ein hohes epidemisches Potenzial haben, wie zum Beispiel Lassa-Fieber, Masern und Cholera.

 

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka sagte: „Die dramatischen Erfahrungen während der Ebola-Epidemie in Westafrika haben uns sehr deutlich gemacht, dass die nationale und internationale Notfallvorsorge für derartige Epidemien bislang unzureichend ist. SORMAS zeigt beispielhaft, wie deutsche Forschung dazu beiträgt, die globalen gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit zu lösen. Wir brauchen solche reaktionsschnellen Epidemie-Management-Systeme, um die Ausbreitung gefährlicher Erreger weltweit schneller bekämpfen und möglichen Pandemien vorbeugen zu können.“

 

Was ist SORMAS?

 

Das Projekt SORMAS (Surveillance, Outbreak Response Management and Analysis System) wurde ursprünglich zur Überwachung der Ebola-Virus-Epidemie in West-Afrika entwickelt. Das HZI hat sich gemeinsam mit dem nigerianischen „Programme for Field Epidemiology and Laboratory Training“ das Ziel gesetzt mit Hilfe modernster Technologie die Herausforderung der Virus-Epidemie in West-Afrika zu bewältigen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein System geschaffen, welches auf einer mobilen Echtzeit-Datenübertragung basiert. Als Steuerungsinstrument für die Infektionsschutzmaßnahmen und zur Echtzeitübermittlung der Daten kommen vor Ort unter Berücksichtigung der technischen Voraussetzung in den westafrikanischen Ländern handelsübliche Mobiltelefone zum Einsatz. Zur Datenverarbeitung wird eine moderne Cloud-Technologie genutzt.

 

Die symeda GmbH entwickelt seit 2016 SORMAS im Auftrag des HZI in einer Open-Source-Version. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung., die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung fördern die Entwicklung.

 

Quellen:

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