Telemedizin auf dem Vormarsch – Online-Ärzte im Ausland

Auf dem Weg ins digitale Arzt-Patienten-Verhältnis sind einige Länder dem Deutschen Markt weit voraus. Der Trend zur mobilen Erfassung und Verarbeitung von Informationen wird häufig nicht aufgegriffen. Während in Länder wie der Schweiz, England und in der USA telemedizinische Dienste schon längst gang und gäbe sind, herrscht in Deutschland immer noch Skepsis. Welche Wege möglich sind zeigen wir Ihnen anhand folgender drei Beispiele.

Online-Arzt gegen Wartezeiten

Telemedizin_auf_dem_VormarschSeit August 2011 werden Patienten telemedizinisch durch das Onlineportal DrEd betreut. DrEd ist eine britischer Online-Arztpraxis bei der Ärzte per Telefon, Internet oder Videochat zu verschiedenen Krankheiten beraten. Im Rahmen von Online-Sprechstunden kann für 35 festgelegte Krankheitsbilder rund um die Uhr Kontakt zu Ärzten hergestellt werden. Im Anschluss an die Beratung können Rezepte ausgestellt werden. Auch der direkte Bestellung von Medikamenten ist über die Kooperation mit Versandapotheken möglich. Der Online-Arzt ist auf eher unangenehme Beschwerden spezialisiert. So kann z.B. zu Geschlechtskrankheiten, Errektionsstörungen, Blasenentzündung und Haarausfall beraten werden. Der Preis liegt für die verschiedenen Behandlungen zwischen 9 und 49 Euro. Seit November 2011 ist auch ein deutschsprachiges Angebot für Patienten in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar. Ziel des Angebotes ist es Warte- und Wegzeiten für den Patienten zu minimieren und eine schnelle diskrete Behandlung zu ermöglichen.

Telemedizinisches Zentrum auf der Überholspur

Medgate ist das größte telemedizinische Zentrum Europas. Mit rund 90 Ärzten hat das in der Schweiz liegende Zentrum täglich bis zu 4300 Telekonsultationen pro Tag. Genau wie bei einem realen Arztbesuch startet die Behandlung im Telezentrum mit einem Patientenempfang, bei dem zunächst die Daten aufgenommen werden. Anschließend kann ein Rückruftermin mit einem Arzt vereinbart werden. Die Kontaktaufnahme ist dabei per Telefon, Internet oder Video-Chat möglich. Anders als bei DrEd ist die Behandlung durch das telemedizinsiche Zentrum nicht auf bestimmte Indikationen beschränkt. Bei Fällen die nicht so dringend sind kann bei Medgate auch ein WebDoctor befragt werden. Innerhalb von 24 Stunden erhalten die Patienten dann eine Antwort durch ein Ärzteteam. Die Abrechnung der durch Medgate erbrachten Leistungen kann über die Krankenversicherung oder über eine Jahresmitgliedschaft erfolgen. Eine Jahresmitgliedschaft kostet 100 CHF, das sind ca. 92 Euro. Seit 2012 läuft über Medgate ebenfalls ein Projekt, bei dem zusätzlich die Apotheken integriert werden. Bei dem Projekt netCare ist innerhalb von 200 ausgewählten schweizer Apotheken die Konsultation eines Megate Arztes bei Apothekenbesuch möglich. Hat der Patient ein Gesundheitsproblem, bei dem nach Meinung des Apothekers eine Konsultation des Arztes erforderlich ist, kann dieser direkt in der Apotheke per Videochat beraten und gegebenenfalls ein Rezept ausstellen.

Ärztlicher Rat per App

Noch mobiler ist die virtuelle Konsultation per Smartphone. In der USA wird diese Idee durch die Gesundheits-App Doctor on Demand verwirklicht. Über eine kostenlose App für das iPhone, iPad und Android Smartphones ist die Kontaktvermittlung zu Ärzten möglich. Innerhalb von Doctor on Demand werden telemedizinsiche Konsultationen organisiert. Neben ärztlichen Diagnosen sind auch psychologische Sprechstunden und Stillberatungen  über die App möglich. Der Patient zahlt einzeln für jede Kontaktaufnahme. Während eine medizinische Beratung 40 Dollar kostet, werden für Sitllberatungen und psychologische Sprechstunden je nach Zeit zwischen 40 und 95 Dollar berechnet. Gerade in den USA lohnen sich solche telemedizinischen Angebote für die Patienten. Die langen Hin- und Rückwege zu den Ärzten entfallen. Außerdem beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Arzttermin 3 Wochen, so dass die Patienten durch eine virtuelle Konsultation erheblich Zeit sparen können. Auch die Preise der Beratungen in Doctor on Demand  sind teilweise günstiger als die Kosten für gesetzliche Zuzahlungen.

Sind solche Angebote auch in Deutschland möglich?

Der § 7 Abs. 4 der Musterberufsordung für Ärzte schreibt vor, dass die Behandlung eines Patienten nicht ausschließlich über Kommunikationsmedien stattfinden darf. Angebote wie die oben dargestellten können deshalb nicht so einfach umgesetzt werden.  Das EU-Recht und das Deutsche Recht kollidieren in diesem Fall. Die Behandlung von deutschen Patienten über Dienste wie DrEd ist dennoch durch die freie Arztwahl möglich. Oft sind jedoch die Rückerstattungen von Leistungen aus dem Ausland an strenge Vorgaben gekoppelt. In Zukunft sollten trotzdem die Möglichkeiten der Telemedizin genutzt werden. Ergänzend zur Regelversorgung können telemedizische Angebote den Ablauf im Gesundheitswesen erheblich verbessern.

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